Helga Fanderl

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Helga Fanderl (* 1947 in Ingolstadt) ist eine deutsche Filmemacherin.1Deutsche Nationalbibliothek (o. J.): Helga Fanderl. Datensatz der Deutschen Nationalbibliothek. In: Webseite der Deutschen Nationalbibliothek. Online unter: https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&cqlMode=true&query=nid%3D138263833 (Zugriff am 02.06.2021). Sie lebt in Berlin und Paris.

Biografie

Helga Fanderl studierte von 1967 bis 1973 Germanistik und Romanistik in München, Paris und Frankfurt am Main. Sie unterrichtete Sprachen und Literatur an Gymnasien in Frankfurt am Main und als DAAD-Lektorin an der Universität Bologna.2Gramann, Karola/Schlüpmann, Heide (2014): Die Poesie des Moments. Ein Porträt der Filmemacherin Helga Fanderl. In: Grip, Nr. 50, S. 10–11. Online unter: http://helgafanderl.com/dev/wp-content/uploads/2016/03/GRIP50_fanderl.pdf (Zugriff am 14.02.2021). Nach ihrer Teilnahme an einem Film-Workshop von Urs Breitenstein in den 1980er Jahren entschied sie sich, Filme mit einer Super-8-Kamera zu machen.3Freerix, Michael (2020): In Bildern dichten. In: die tageszeitung, Artikel vom 30.04. Online unter: https://taz.de/!5680537/ (Zugriff am 01.06.2021).4Hessische Kulturstiftung (o. J.): Stipendiatin Helga Fanderl. In. Webseite der Hessischen Kulturstiftung. Online unter: https://www.hkst.de/de/maecenas/helga-fanderl-3/ (Zugriff am 01.06.2021).5Hessische Kulturstiftung (o. J.): Helga Fanderl. In. Webseite der Hessischen Kulturstiftung. Online unter: https://www.hkst.de/de/stipendiaten/helga-fanderl/ (Zugriff am 01.06.2021).

Von 1987 bis 1992 studierte sie an der Hochschule für bildende Künste (Städelschule) in Frankfurt am Main bei Peter Kubelka und wurde Meisterschülerin. Es folgte ein Jahr Auslandsstudium an der Cooper Union School of Arts in New York bei Robert Breer.6Kunsthalle Lingen (o. J.): Im Kabinett: Helga Fanderl – Konstellationen. In: Webseite der Kunsthalle Lingen. Online unter: https://www.kunsthallelingen.de/im-kabinett-helga-fanderl-konstellationen/ (Zugriff am 01.06.2021).

Filme

Seit 1986 hat Fanderl mehr als 1000 kurze Super-8-Filme ohne Ton gedreht.7Fanderl, Helga (o. J.): Biography. In: Webseite von Helga Fanderl. Online unter: http://helgafanderl.com/about/ (Zugriff am 01.06.2021). Ihre Werke zeichnen sich durch eine besondere Arbeitsweise aus:8Söltner, Kai (2004): Experimentalfilme auf Super-8 im Bund der Deutschen Filmamateure. Abschlussarbeit zur Erlangung des Magister Artium im Fachbereich 10 (Neuere Philologien) der Johann Wolfgang Goethe-Universität Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft (TFM), vom 30.06. Online unter: https://d-nb.info/1046821156/34 (Zugriff am 01.06.2021). Die Kamera ist handgehalten, die Filme entstehen während des Filmens mittels Kameraschnitt.9Rees, A. L. (2011): A History of Experimental Film and Video. From the Canonical Avant-Garde to Contemporary British Practice. Hg. vom British Film Institute. London: Palgrave, ISBN 978-1-84457-436-0. Es findet keine nachträgliche Bearbeitung statt.

Die Filmemacherin sagt über ihre Arbeit: „Es gibt keine Postproduktion in meinem Werk. Jeder einzelne Film bewahrt und reflektiert die Spuren seiner Entstehung, die Empfindungen und Gefühle im Moment des Filmens.“10iMAL (o. J.): HELGA FANDERL: CONSTELLATIONS. In: Webseite des iMAL – Art Center for Digital Cultures & Technology. Online unter: https://www.imal.org/en/events/cinema-parenthese-1 (Zugriff am 01.06.2021).

Kasper König sieht in Fanderls Filmen „Déjà-vu-Erlebnisse, die an Szenen aus der Kindheit oder aus Malerei und Literatur erinnern“.11König, Kasper (1997): Helga Fanderl. In: Uske, Bernhard (Hg.): Film: Bayrle, Bott, Breitenstein, Fanderl, Kels, Krüger, Zehetner. Frankfurt/M.: Verlag Bernhard Uske, ISBN 978-3-00-002899-1, S. 89. Peter Kubelka vergleicht ihre Werke mit den Gedichten Emily Dickinsons und bezeichnet Fanderl als eine „sensible Poetin, die mit Film arbeitet“.12Ausstellungsraum von Konstantin Adamopoulos (Hg.) (1996): Helga Fanderl, Filme, Katalog/Leporello zur Filmreihe „Drei Kompositionen“. Frankfurt/M.

Fanderls Filme sind maximal drei Minuten lang und zeigen häufig einfache Gegenstände und Handlungen, Bewegungen und Rhythmen. Sie komponiert die einzelnen Filme zu Programmen,13Hessische Kulturstiftung (o. J.): Helga Fanderl. In. Webseite der Hessischen Kulturstiftung. Online unter: https://www.hkst.de/de/stipendiaten/helga-fanderl/ (Zugriff am 01.06.2021). die zwischen 50 und 60 Minuten dauern und die sie selbst am Projektor in Kinos, Galerien und Ausstellungsräumen vorführt, aber auch an unkonventionellen Orten wie dem Laderaum eines Frachtkahns. Das Surren des Projektors wird Teil der Präsentation.14Kunsthalle Lingen (o. J.): Im Kabinett: Helga Fanderl – Konstellationen. In: Webseite der Kunsthalle Lingen. Online unter: https://www.kunsthallelingen.de/im-kabinett-helga-fanderl-konstellationen/ (Zugriff am 01.06.2021).15Freerix, Michael (2020): In Bildern dichten. In: die tageszeitung, Artikel vom 30.04. Online unter: https://taz.de/!5680537/ (Zugriff  am 01.06.2021). Sie kombiniert individuelle Filme, manchmal nach Farben, Rhythmus oder Motiven.16Cumming, Jesse (2019): Helga Fanderl. In: Berlin Art Link, Artikel vom 22.02. Online unter: https://www.berlinartlink.com/2019/02/22/helga-fanderl/ (Zugriff am 01.06.2021). Die Projektion wird so zu einem einmaligen Ereignis bzw. einer Performance und betont das Medium selbst. Da Super-8-Kopien nicht mehr hergestellt werden, zeigt sie ihre Filme seit einigen Jahren auch als 16mm-Blow-ups.17Gramann, Karola/Schlüpmann, Heide (2014): Die Poesie des Moments. Ein Porträt der Filmemacherin Helga Fanderl. In: Grip, Nr. 50, S. 10–11. Online unter: http://helgafanderl.com/dev/wp-content/uploads/2016/03/GRIP50_fanderl.pdf (Zugriff am 14.02.2021). Sie präsentiert ihre Werke auch in Zusammenarbeit mit anderen Künstler*innen, wie z. B. als Bestandteil der Tanzperformance „The Loss of Small Detail“ von William Forsythe,18Driver, Senta (2000): William Forsythe. In: Choreography and Dance. 5(3), ISBN 90-5755-128-4, S. 120. als Teil der Konzertaufführung „Varieté“ von Mauricio Kagel der Gruppe für Neue Musik Baden oder als Filmvorführung und Lesung mit dem Lautdichter Bruno Montels in Marseille.19o. A. (o. J.): Helga Fanderl »Fragil«. In: Dresdner Schmalfilmtage. Online unter: https://schmalfilmtage.de/data/schmalfilm/archiv/fest2008/fanderl.php (Zugriff am 01.06.2021).20Centre International de poésie Marseille (2000): Lecture de fragments de Sappho, sur une projection de films de Helga Fanderl, par Bruno Montels. In: Webseite des Centre International de poésie Marseille, Beitrag vom 19.05. Online unter: http://cipmarseille.fr/pop_audio.php?id=20  (Zugriff am 02.06.2021).

Ihre Werke werden weltweit in Filmmuseen, Kinematheken, Museen, Galerien (z. B. Portikus, Schirn, Deutsches Filmmuseum, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main; Sammlung Julia Stoschek, Düsseldorf; Galerie Agathe Gaillard, Centre Pompidou, Paris; Anthology Film Archives, New York; National Gallery of Art, Washington)21National Gallery of Art (2018): Film. Herbst. Online unter: https://www.nga.gov/content/dam/ngaweb/calendar/film/pdfs/2018/2018-fall-film.pdf (Zugriff am 02.06.2021). und auf Festivals, wie z. B. bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen, dem New York Film Festival, dem Toronto International Film Festival und dem Media City Film Festival Windsor/Ontario, gezeigt.22Kunstverein Ingolstadt (2014): Helga Fanderl – Marieluise Fleißers Kleider. In: Archiv. Online unter: https://www.kunstverein-ingolstadt.de/archiv/2014/helga-fanderl/ (Zugriff am 02.06.2021).23o. A. (o. J.): Helga Fanderl. In: Lowave. Online unter: https://www.lowave.com/en/artists/243-helga-fanderl-en (Zugriff am 02.06.2021).

Fanderl präsentiert ihre Filme auch in Ausstellungen und Installationen, wie z. B. „Marieluise Fleißers Kleider“ im Kunstverein Ingolstadt (2014/2015),24Kunstverein Ingolstadt (2014): Helga Fanderl – Marieluise Fleißers Kleider. In: Archiv. Online unter: https://www.kunstverein-ingolstadt.de/archiv/2014/helga-fanderl/ (Zugriff am 02.06.2021). „Film Live“ in Das Esszimmer, Bonn (2015)25o. A. (2015): Film Live. In: DAS ESSZIMMER – Space For Art+. Online unter: https://dasesszimmer.com/en/exhibition/film-live/ (Zugriff am 02.06.2021). oder „Konstellationen“ in der Kunsthalle Lingen (2020).26Kunsthalle Lingen (o. J.): Im Kabinett: Helga Fanderl – Konstellationen. In: Webseite der Kunsthalle Lingen. Online unter: https://www.kunsthallelingen.de/im-kabinett-helga-fanderl-konstellationen/ (Zugriff am 01.06.2021).

Fanderls Filme sind in den Sammlungen des Museums für Moderne Kunst und der Kinothek Asta Nielsen in Frankfurt am Main, in der Sammlung Hans Bodenmann in Basel, im Auditorium du Louvre und dem Centre Pompidou in Paris sowie dem Archiv für den bundesdeutschen Experimental- und Avantgardefilm von Frauen in Paderborn vertreten.27Kunsthalle Lingen (o. J.): Im Kabinett: Helga Fanderl – Konstellationen. In: Webseite der Kunsthalle Lingen. Online unter: https://www.kunsthallelingen.de/im-kabinett-helga-fanderl-konstellationen/ (Zugriff am 01.06.2021). Das DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum archiviert ihre Originale.28Hessische Kulturstiftung (o. J.): Stipendiatin Helga Fanderl. In: Webseite der Hessischen Kulturstiftung. Online unter: https://www.hkst.de/de/maecenas/helga-fanderl-3/ (Zugriff am 01.06.2021).

Ein vollständiges Werkverzeichnis veröffentlichte Helga Fanderl 2016 auf ihrer Website in Zusammenarbeit mit Karianne Fiorini.29Fanderl, Helga/Fiorini, Karianne (o. J.): Filmtitelverzeichnis. In: Webseite von Helga Fanderl. Online unter: helgafanderl.com/archive/title/ (Zugriff am 02.06.2021).30Avi – Associazione Videoteche Mediateche Italiano (o. J.): Le Pellicole In Formato Ridotto e Fotografie Amatoriali Nelle – Teche Audiovisive Valorizzazione e Riuso delle Memoria. Online unter: https://www.avimediateche.it/it/c/2pg2ynz/le_pellicole_in_formato_r.html (Zugriff am 02.06.2021).

Auszeichnungen

Filmografie (Auswahl)

  • 1986: See
  • 1988: Blaues Haus
  • 1990: An der Schutter
  • 1991: Heftige Quellen
  • 1992: Portrait
  • 1993: Eisbär
  • 1994: Apfelernte
  • 1994: Sardinenkörbe
  • 1995: Mädchen
  • 1998: Roter Vorhang
  • 2000: Brunnen
  • 2001: Flugzeuge I
  • 2001: Nescia und Bruno
  • 2001: Vögel am Checkpoint Charlie
  • 2002: Schlittschuhlaufen
  • 2003: Tortelloni
  • 2006: Spiegelung
  • 2007: Wassertanz I
  • 2008: Für M.
  • 2009: Feuerturm
  • 2010: Laub
  • 2011: Gläser
  • 2012: Abendglitzern
  • 2012: Leopard
  • 2013: Nachmittagslicht
  • 2014: The Color Run
  • 2016: Weiße Blumen
  • 2017: Wasserpflanzen
  • 2018: Frauenbründl (Für G.)
  • 2019: Im Sprühnebel

Publikationen

  • Fanderl, Helga (1997): Film im Portikus. In: Kölle, Brigitte (Hg.): Portikus Frankfurt am Main 1987–1997. Frankfurt/M.: Portikus, ISBN 978-3-928071-34-5.
  • Fanderl, Helga (2006): Fragil(e). Paris: Lowave (Buch + DVD).
    • Die DVD enthält 11 Super-8 Filme (Eisbär, Passanten, Binsen, Brunnen, Mädchen, Riesenrad, Flugzeuge II, Wasserfall, Unter den Seerosen, Weybridge, Feuerwerk), entstanden zwischen 1986 und 2005. Online unter: https://vimeo.com/52141386 (Zugriff am 20.07.2021).
  • Fanderl, Helga (2010): Film Live. In: Sequence, Nr. 1. no.w.here, London. Online unter: http://helgafanderl.com/dev/wp-content/uploads/2017/05/FILM-LIVE-6.pdf (Zugriff am 20.07.2021).
  • Fanderl, Helga (2020/21): Constellations. In: Les Saisons, Revue de Cinéma, Nr. 3, Paris.

Literatur

Weblinks

Empfohlene Zitierweise