Dorothea Rein

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Dorothea Rein (*18.03.1945)1Bundesanzeiger, Handelsregister/Manager Dossiers. ist eine deutsche Verlegerin. Seit 1972 leitet sie den Verlag Neue Kritik.

Tätigkeit als Verlegerin

Der Verlag Neue Kritik wurde 1965 in Frankfurt am Main gegründet; 1972 trat Dorothea Rein in die Leitung des Verlags ein. Zuvor studierte sie Slawistik, ohne das Studium abzuschließen.2Nosbers, Hedwig (1999): Polnische Literatur in der Bundesrepublik Deutschland 1945/1949 bis 1990. Buchwissenschaftliche Aspekte. Buchwissenschaftliche Beiträge aus dem Deutschen Bucharchiv München. Bd. 63. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, S. 156.

Seit Mitte der 1970er Jahre, als mit Hartmut Dabrowski das letzte Gründungsmitglied den Verlag verlassen hatte, leitet sie den Verlag hauptverantwortlich, unterstützt von ein bis zwei Mitarbeiter*innen.3Ziegler, Edda (2014): Buchfrauen. Frauen in der Geschichte des deutschen Buchhandels. Göttingen: Wallstein Verlag, S. 178–179.4Verlag Neue Kritik (o. J.): »Gegen den schönen Schein«. Verlagsgeschichte. In: Webseite des Verlags. Online unter: https://www.neuekritik.de/home/verlagsgeschichte.html (Zugriff am 27.07.2021).

Durch ihr persönliches Engagement und ihr Interesse erweiterte Dorothea Rein kontinuierlich das politisch-literarische Programm des Verlags um Übersetzungen osteuropäischer Literatur. Seit Anfang der 1980er Jahre wurden u. a. die Werke der tschechischen Journalistin und Widerstandskämpferin Milena Jesenská, der polnischen Autorin Hanna Krall oder des russisch-jüdischen Dichters und Sängers Wladimir Semjonowitsch Wyssozki für den deutschsprachigen Markt erschlossen.5Ziegler, Edda (2014): Buchfrauen. Frauen in der Geschichte des deutschen Buchhandels. Göttingen: Wallstein Verlag, S. 178.6Faure, Ulrich (1991): Programm aus Zufall mit System? In: Börsenblatt, Nr. 158, S. 162. Dorothea Rein machte Hanna Krall in Deutschland bekannt und zur erfolgreichsten polnischen Autorin des Verlags. Sie konnte sie für den Verlag gewinnen, indem sie sie zu Hause besuchte und ihr persönlich das Verlagsprogramm präsentierte.7Faure, Ulrich (1991): „Die Gegenwart bewegt sich um ein Dutzend Wörter …“. (Interview mit Hanna Krall). In: Börsenblatt, Nr. 158, S. 165.

Texte zu jüdischen Themen, zu deutsch-jüdischer Geschichte und Gegenwart, zu Nationalsozialismus und Holocaust stellt die Verlegerin darüber hinaus in den Mittelpunkt des Verlagsprogramms.8Ziegler, Edda (2014): Buchfrauen. Frauen in der Geschichte des deutschen Buchhandels. Göttingen: Wallstein Verlag, S. 178.

Dorothea Rein führte bereits nach der Übernahme der Verlagsleitung einen eigenen Programmbereich für historische und zeitgenössische Texte von Frauen ein: 1977 erschien die erste deutschsprachige Übersetzung von Una Donna, einem autobiografischen Roman der italienischen Schriftstellerin und frühen Feministin Sibilla Aleramo (1876-1960). Es folgten biografische Texte zu Phoolan Devi (Die Legende einer indischen Banditin, 1983) oder der Psychiatriepatientin Adalgisa Conti (Im Irrenhaus, 1992).

Der Verlag präsentiert aber auch bildende Künstlerinnen, zum Beispiel in den Bildbänden über die Schauspielerin, Fotografin und Revolutionärin Tina Modotti, die Bildhauerin Camille Claudel oder die tschechische Künstlerin Toyen. Dorothea Rein machte immer wieder bedeutende Entdeckungen: Der 1980 veröffentlichte Band Frida Kahlo von Raquel Tibol z. B. ist die weltweit erste Monografie über die mexikanische Malerin.9 o. A. (2014): Die wirklich wichtigen Bücher. In: Frankfurter Rundschau, Artikel vom 19.12. Online unter: https://www.fr.de/frankfurt/wirklich-wichtigen-buecher-11178224.html (Zugriff am 27.07.2021).

Ab 1995 erscheinen in der Reihe „apropos“ Porträts „außergewöhnlicher Frauen des 20. Jahrhunderts“: darunter so unterschiedliche Frauen wie die Kriegsfotografin Lee Miller, die Künstlerin und Schriftstellerin Leonora Carrington, die Philosophin Edith Stein, die Kommunistin und Publizistin Margarete Buber-Neumann, die Kosmetikunternehmerin Helena Rubinstein oder die Sängerin Yma Sumac.

Schlüsselwerke zur feministischen Theorie und Geschlechterforschung, wie die Dissertationsschrift Die Liebe der Frauen der Soziologin Margrit Brückner und Nicht Ich von Christina von Braun, sind ebenfalls im Verlag Neue Kritik erschienen.10Verlag Neue Kritik (o. J.): »Gegen den schönen Schein«. Verlagsgeschichte. In: Webseite des Verlags. Online unter: https://www.neuekritik.de/home/verlagsgeschichte.html (Zugriff am 27.07.2021).

Dorothea Rein gehört zu den Unterzeichner*innen des Frankfurter Appells von 2004, einem Aufruf bekannter Autor*innen, Verleger*innen , Übersetzer*innen, Wissenschaftler*innen sowie Künstler*innen, der sich gegen die Rechtschreibreform von 1996 richtet.

Auszeichnung

Für ihre verlegerischen Leistungen erhielten Dorothea Rein und der Verlag Neue Kritik 2003 den Kurt-Wolff-Preis der Kurt-Wolff-Stiftung.11Wagenbach, Klaus (2003): Aus der Laudatio zur Vergabe des Kurt-Wolff-Preises 2003 von Prof. Dr. Klaus Wagenbach, Verleger. In: Webseite der Kurt Wolff Stiftung. Online unter: http://www.kurt-wolff-stiftung.de/wp-content/uploads/2014/02/wagenbachlaudatio.pdf (Zugriff am 27.07.2021).

Veröffentlichung

Rein, Dorothea (2008): Biographische Skizze. In: Dorothea Rein (Hg.): Milena Jesenská: Alles ist Leben. Feuilletons und Reportagen 1919-1930.  Frankfurt/M.: Verlag Neue Kritik, S. 247–278, ISBN 978-3-8015-0192-1.

Weblinks

Webseite des Verlags Neue Kritik

  • 1
    Bundesanzeiger, Handelsregister/Manager Dossiers.
  • 2
    Nosbers, Hedwig (1999): Polnische Literatur in der Bundesrepublik Deutschland 1945/1949 bis 1990. Buchwissenschaftliche Aspekte. Buchwissenschaftliche Beiträge aus dem Deutschen Bucharchiv München. Bd. 63. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, S. 156.
  • 3
    Ziegler, Edda (2014): Buchfrauen. Frauen in der Geschichte des deutschen Buchhandels. Göttingen: Wallstein Verlag, S. 178–179.
  • 4
    Verlag Neue Kritik (o. J.): »Gegen den schönen Schein«. Verlagsgeschichte. In: Webseite des Verlags. Online unter: https://www.neuekritik.de/home/verlagsgeschichte.html (Zugriff am 27.07.2021).
  • 5
    Ziegler, Edda (2014): Buchfrauen. Frauen in der Geschichte des deutschen Buchhandels. Göttingen: Wallstein Verlag, S. 178.
  • 6
    Faure, Ulrich (1991): Programm aus Zufall mit System? In: Börsenblatt, Nr. 158, S. 162.
  • 7
    Faure, Ulrich (1991): „Die Gegenwart bewegt sich um ein Dutzend Wörter …“. (Interview mit Hanna Krall). In: Börsenblatt, Nr. 158, S. 165.
  • 8
    Ziegler, Edda (2014): Buchfrauen. Frauen in der Geschichte des deutschen Buchhandels. Göttingen: Wallstein Verlag, S. 178.
  • 9
    o. A. (2014): Die wirklich wichtigen Bücher. In: Frankfurter Rundschau, Artikel vom 19.12. Online unter: https://www.fr.de/frankfurt/wirklich-wichtigen-buecher-11178224.html (Zugriff am 27.07.2021).
  • 10
    Verlag Neue Kritik (o. J.): »Gegen den schönen Schein«. Verlagsgeschichte. In: Webseite des Verlags. Online unter: https://www.neuekritik.de/home/verlagsgeschichte.html (Zugriff am 27.07.2021).
  • 11
    Wagenbach, Klaus (2003): Aus der Laudatio zur Vergabe des Kurt-Wolff-Preises 2003 von Prof. Dr. Klaus Wagenbach, Verleger. In: Webseite der Kurt Wolff Stiftung. Online unter: http://www.kurt-wolff-stiftung.de/wp-content/uploads/2014/02/wagenbachlaudatio.pdf (Zugriff am 27.07.2021).
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